Newsletter Nr. 2/2015

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Aktuelles - Verband

Vorstand, Geschäftsführung 

Der Vorstand und die Geschäftsführerin haben anlässlich von drei Sitzungen insbesondere die aktuellen Dossiers besprochen und die erste Tagung Kunstmarkt Schweiz vom vergangenen 7. September 2015 vorbereitet.  

Für ausführliche Diskussionen sorgten die Aktivitäten und die Medienpräsenz von Frau Monika Roth mit ihrem im Mai herausgekommenen Buch „Wir betreten den Kunstmarkt“.  Wir kamen zum Schluss, dass es dem Kunstmarkt Schweiz am ehesten dient, wenn vom Dachverband her für faktenbasierte Information gesorgt und weniger mit Vermutungen, Annahmen und Projektionen Politik betrieben wird. Auf unserer Homepage ist eine Sicht des Dachverbandes abgelegt.  Anlässlich der Tagung Kunstmarkt Schweiz im Berner Kunstmuseum nutzten wir die Gelegenheit, den Kunstmarkt Schweiz aus der Sicht der Akteure darzustellen.

 

Tagung des Dachverbandes vom 7. September 2015

Die Tagung fand im Festsaal des Kunstmuseums Bern statt. Wir sassen zwischen grossartigen Bildern von Anker, Hodler, Böcklin und anderen berühmten Künstlern.  In einem ersten für die Mitglieder der angeschlossenen vier Verbände geöffneten Teil informierte das Vorstandsmitglied Fabian Walter über die Gründung des Dachverbandes und stellte die Geschäftsführerin Sylvia Furrer Hoffmann vor. Sie referierte anschliessend über den statutarischen Zweck des Verbandes und gab einen ersten Überblick über die Konsequenzen der neuen Geldwäschereivorschrift für den Handel.  Weitere Themen waren das Folgerecht (droit de suite) und seine Konsequenzen für Künstler und den Kunstmarkt. Abgerundet wurde der interne Teil mit steuerrechtlichen Aspekten wie Mehrwertsteuer, Vermögenssteuer, Gewinnsteuer (hier).  

Der für geladene Gäste geöffnete Teil wurde vom Vorstandsmitglied Dr. Kuno Fischer eröffnet. In einem kurzen historischen Abriss zeigte er auf, dass es bereits in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts eine „Dachorganisation der Vereinigten Kunsthandelsverbände der Schweiz“ gab. Im Weiteren dankte er vielen Persönlichkeiten, die den Gedanken zur diesjährigen Neugründung mitunterstützt haben.  

Jürg Bucher, Präsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee überbrachte die Grussworte des gastgebenden Hauses.  

Christian von Faber-Castell vermochte in seiner gekonnt rhetorisch überzeugenden Art dem Publikum seine kritische Beurteilung des Kunstmarktes Schweiz zu überbringen.  Eine der uns sicherlich noch weiter beschäftigenden Aussage bezog sich auf die Kommunikation.  Wenn wir das Vakuum nicht füllen, wird dies von selbsternannten Fachleuten übernommen, die eine andere Agenda als einen erfolgreich funktionierenden Kunstmarkt haben.  

Über die Rahmenbedingungen und Herausforderungen des Kunstmarkes referierte Sylvia Furrer Hoffmann. Ihr Anliegen wurde in einem Bild aus dem Film ‚Modern Times’ mit Charlie Chaplin verdeutlicht: Das System Kunstmarkt kann nur funktionieren, wenn auch die vielen kleinen Rädchen in Schwung gehalten werden. Hierzu braucht es nicht nur das Bekenntnis von Politik und Behörden zugunsten der KMU, wonach „jede neue Regulierung für die Unternehmen Mehraufwand bedeutet. Übermässige Bürokratie ist Gift für die Wirtschaft, und die vergleichsweise schlanke Administration gehört zu den wichtigsten Standortvorteilen der Schweiz.“ An den Beispielen der Regelungsbereiche Kulturgütertransfer, Zollfreilager, Folgerecht und Geldwäscherei zeigte die Referentin auf, wie das austarierte System der Klein- und Kleinstbetriebe des Kunstmarktes gefährdet wird. Der Markt ist starkem öffentlichen Druck ausgesetzt. Es ist an der Zeit, die Kräfte der verschiedenen Akteure – und das sind nicht nur die vier zum Dachverband zusammengeschlossenen Verbände – bewusst zu bündeln (hier).  

An der anschliessenden Podiumsdiskussion zu eben diesen Themen unterhielten sich unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Boll, Christie’s, Managing Director Continental Europe, folgende Teilnehmer: Josef Felix Müller, Präsident Visarte, Jean-David Cahn, Inhaber Galerie Cahn, Basel, Dr. Kuno Fischer, Geschäftsführer Fischer Auktionen, Luzern, Peter Haas, Möbel-Transport AG, Schlieren, Simon Studer, Inhaber Galerie Simon Studer, Genève, Benno Widmer, Mitglied GL BAK, Museen und Sammlungen.  Miteinbezogen in die Diskussionen wurden folgende anwesende Fachleute: Dr. Michaela Schärer, Vizedirektorin OZD, Dr. Michael Bloch, FedPol und Dr. Werner Stauffacher, Vizedirektor Pro Litteris.  Die Gespräche unter den Teilnehmenden wurden anschliessend beim Apéro riche im Foyer des Kunstmuseums engagiert weitergeführt.  Ein Give-away mit Kunstkarten der Sammlung Mobiliar, einem Berner Mandelbärli und der aktuellen Ausgabe des Kunstbulletins (offeriert vom Schweizer Kunstverein) rundeten den Anlass ab.  Der Dachverband dankt der Sponsorin des Anlasses Mobiliar für die grosszügige Unterstützung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kunstmuseums Bern, den Technikern und dem Catering-Service für die kompetente, engagierte Zusammenarbeit.

Aktuelles - Dossiers

Kulturgütertransfergesetz

Am 2. Juni 2015 organisierte das BAK anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des KGTG eine Tagung mit internationalen Referenten.  Trotz anfänglicher Widerstände der Akteure des Kunstmarktes Schweiz zeigte der Rückblick, dass das KGTG und seine Umsetzung zum guten Ruf des Standortes Schweiz für den Kulturgüterhandel beigetragen haben. Die Wegleitung für den Kunsthandel findet sich (hier)

 

Raubkunst - Fluchtgut

Im Museum Oskar Reinhart in Winterthur fand am 31. August 2015 eine Internationale Tagung zum Thema Fluchtgut statt.  Die Tagung war mit hochkarätigen Referenten und Podiumsteilnehmern besetzt. Wer mehr über den problematischen Begriff Fluchtgut und die Abgrenzung zu NS-Raubkunst wissen möchte, sei auf folgende Sendungen verwiesen (hier).  Die Referate erscheinen in der Reihe Kunst & Recht/Art & Law, hrsg. von Peter Mosimann, Beat Schönenberger, Marc Fehlmann und Johannes Nathan, Stämpfli Verlag AG, Bern 2016.

 

Zollfreilager

Der Schlussbericht der EZV als Antwort auf die Feststellungen der Eidg. Finanzkontrolle liegt vor und ist auf unserer Homepage abgelegt (hier).  Mit den Vertretern der Wirtschaftsverbände konnte eine weitgehende Einigung erzielt werden. Das Zollfreilager-Ausfuhrverfahren (nicht das Einfuhrverfahren aus dem Ausland) soll nach spätestens zwei Jahren abgeschlossen sein und der Einlagerer soll in seinen Bestandesaufzeichnungen nicht mehr nur wie bisher über den Verfügungsberechtigten Auskunft geben, sondern über den Eigentümer. Letzteres ist noch umstritten, insbesondere die praktische Umsetzung und Verantwortlichkeiten.

 

Urheberrechtsgesetz und Folgerecht

Die Motion Luginbühl verlangt, dass das Urheberrecht nach europäischem Vorbild mit dem Folgerecht (droit de suite) ergänzt wird, d.h. dass Künstler beim Weiterverkauf ihrer Werke durch den Kunsthandel einen prozentualen Anteil am Erlös des Weiterverkaufs ausbezahlt erhalten.  Anlässlich der letzten Revision des Urheberrechtsgesetzes 2006 wurde auf die Regelung einmal mehr verzichtet. Einen Nutzen hätten nur wenige Künstler und deren Erben, insbesondere jene, die es finanziell nicht brauchen. Das Folgerecht löst das Problem der mangelnden sozialen Absicherung von Kulturschaffenden nicht.  Der aktuelle Report der British Art Market Federation (BAMF) ist deutlich: Von den konservativ geschätzten 52'000 Künstlern, welche in UK leben, hatten im Jahr 2013 1255 lebende Künstler Zahlungen aufgrund von Auktionsverkäufen erhalten.  Davon waren 600 Briten. Vor der Einführung des Folgerechts wurde der Nutzen übertrieben dargestellt und die Kosten weit unterschätzt (Kostenschätzung 40 Pence pro Transaktion, effektiv 23.3£ bis 53.6£). Ärmere Künstler, derentwegen das Folgerecht v.a.  eingeführt wurde, profitierten kaum. Die Top 10% der Künstler erhielten 80% des Geldes.  Viele Galerien sind weniger interessiert daran, junge unbekannte Künstler zu fördern.  Dies als Resultat der Komplikationen im Zusammenhang mit secondary market Verkäufen, den konkreten Abwicklung der Folgerecht Zahlungen und den Auswirkung auf die tiefmargigen Verkäufe.  Es bleibt nur die Schlussfolgerung: Das Folgerecht schädigt die Interessen junger Künstler! Oder anders ausgedrückt: Gute Absicht, Resultat kontraproduktiv.  Am 8. September 2015 liess Visarte verlauten, dass bereits über 100 Parlamentarier die Motion Luginbühl, d.h. die Einführung des Folgerechts nach europäischem Vorbild, unterstützen.  Der Verband sucht das Gespräch mit der Künstlerschaft, den Verwertungsgesellschaften und den Behörden, welche eine Gesetzesvorlage zu erstellen haben.  Sobald der europäische Bericht 2015 zu den Erfahrungen des Folgerechts erhältlich ist, werden wir den Link auf unsere Homepage stellen.  Wir werden die Behörden, die Parlamentarier und die Öffentlichkeit über die facts + figures und das kontraproduktive Resultat des Folgerechts informieren.

 

Geldwäschereigesetz Meinung des Verbandes:

Die neue Vorschrift im GwG ist nicht KMUtauglich.  Sie lehnt sich vielmehr an die Finanzwirtschaft an.  Die jetzt im Entwurf vorliegende dazugehörige Verordnung ist zwar technisch einwandfrei.  Weil sie aber aufwandseitig für Kleinstund Kleinbetriebe nicht umsetzbar ist, wird sie zu einem Verzicht auf Annahme von Bargeld führen. Dies in einer Zeit, in welcher Bankkonti mit Negativzinsen auffallen (vgl.  unsere Stellungnahme (hier) Der Dachverband beabsichtigt, in einem ersten Schritt möglichst kostenschonend eine Standard-Weisung, Schulungen und eine Hot-line zu entwickeln und den Mitgliedern anzubieten.

 

Kommunikation

Eine bei möglichst vielen Akteuren des Kunstmarktes Schweiz abgestützte Kommunikationsstrategie ist in Arbeit. Im Fokus sollen sein facts + figures und die Leistungen und Rahmenbedingungen für einen gut funktionierenden Kunstmarkt.

 

Diverses

Einen erfrischend neuen Weg, bildende Kunst und Musik zusammenzubringen, ging das Kunstmuseum Luzern und Lucerne Festival 2015 zum dritten Mal. Der Schweizer Künstler Johannes Willi (*1983, CH) ist diesjähriger Gewinner des Wettbewerbs „SOUNDZZ.Z.ZZZ…Z“. Inspiriert vom diesjährigen Festival-Thema «Humor» entwickelt Johannes Willi sein Projekt Beethovens Fünfte Sinfonie: Der Künstler baut eigenhändig mit Materialien aus dem Baumarkt, nach eigenem Gutdünken und ohne besonderes Vorwissen alle Instrumente eines kompletten Sinfonieorchesters nach. Die fertigen Instrumente werden im Kunstmuseum Luzern prä- sentiert, bevor sie von den Musikerinnen und Musikern der Lucerne Festival Academy gespielt werden. Aufgeführt wurde Beethovens Fünfte Sinfonie im grossen Konzertsaal des KKL Luzern. Ein wohl völlig neues Hör- und Seherlebnis. (hier)